„Ich hab mir zuvor viele Städte angesehen. In Zeitz finde ich gerade diese unfertigen Orte am schönsten.
Dann solche Initiativen, die genau diese Orte beleben wollen. Das hat mich gereizt.“

BENJAMIN ECKEL

„Wo historische Spuren sind, da sollen sie auch bleiben.“

Der Mann hat die Ruhe weg. Tiefenentspannt steht Benjamin Eckel im ehemaligen Ladengeschäft und schwärmt vom fast vollständig erhaltenen Fliesenspiegel. „Wo historische Spuren sind, da sollen sie auch bleiben. Das bleibt wie es ist,“ schwärmt der 27-jährige schon mal.

Hier im Erdgeschoss der Rahnestraße 10 führte einst Fleischermeister Bruno Große sein Geschäft. Die Spuren reichen bis in den Garten, der erst wieder einer werden soll. Auch hier noch ein Fliesenspiegel und Reste von Räucherkammern der einstigen Schlachterei. Die untere Etage denkt sich Benjamin, wir duzen uns, zur gemeinschaftlichen Nutzung. Das würde sich gut machen mit dem Austritt nach draußen in den Garten. Durch die breite Durchfahrt sei ohnehin nicht so viel Platz für eine komplette Wohnung hier.

Zahlreiche Bäume und Sträucher, Unmengen Müll und Gerümpel hat er schon aus Garten und Haus abfahren lassen. Sein Vater und Freunde helfen ihm dabei. Jetzt im kommenden Sommer beginnt für ihn die Zeit der Planungen.

„Ich finde, die Rahne- und die Messerschmiedestraße, das sind tolle Straßenzüge.“

Eine Meinung, die nicht jeder in Zeitz teilen wird. Benjamins Fable für historische Bauten aber ist neigungs- und ausbildungsbedingt. Seinen Bachelor machte er in Architektur und Kunstgeschichte, den Master in der Denkmalpflege. In Städten wie Darmstadt, Marburg und Halle hat er studiert. Er kennt sich aus mit Bausubstanzen und Stadtentwicklung. Da liegt es nahe, dass er Straßenzügen in Zeitz mit einem anderen Blick begegnet als manch Einheimischer .
Er sieht durchaus Chancen auch für diese maroden Ecken einer Stadt. Es brauche dafür aber neben Geld sehr starken Initiativgeist und vor allem viel Geduld. Offensichtlich hat der junge Mann von Letzteren ausreichend.

Nach dem großen Räumen beginnt nun die Phase der vielen kleinen Schritte, auch durch die Wirren der helfenden Bürokratie. Sein Vater unterstützt ihn dabei. Es wird nun abgewogen, verhandelt und abgestimmt. Wo kann die Stadt unterstützen, welche Förderungen gibt es, welche Anforderungen von Gesetzes wegen gibt es, etwa beim Brandschutz? Bis jetzt kann Benjamin nur Gutes sagen. Er fühle sich gut aufgehoben, trifft auf Freundlichkeit, Interesse und Unterstützung durch die Stadt.

Wir steigen durch die Etagen in seiner Rahnestraße 10.

„Ich freue mich schon auf viele Begegnungen mit interessanten Menschen.“

Bis jetzt ist Benjamin zwischen Zeitz und Halle gependelt, derzeit hat er einen Lehrauftrag in Kassel. Doch fest im Blick hat er schon, wie er sich ins städtische Leben stürzen, wie er Zeitzer werden will, sozusagen: „Ich freue mich schon auf die vielen Begegnungen mit interessanten Menschen.“

Mit den „Freigeistern von nebenan“ werde er sich bald treffen. Gemeint ist das Künstlerpaar aus Leipzig, das gerade ihr Haus in der Scharrenstraße bezieht (deren Story wir auch noch erzählen werden).  Benjamin Eckel hat sich offensichtlich intensiv auch mit den sozialen und kulturellen Strukturen seiner künftigen Heimat beschäftigt. Das Treffen für diese Story kam auch auf seine Initiative hin zustande.

Für ihre Aktion „Wir sind Zeitz“ begleitet uns die ganze Zeit ein Team von TRANSMEDIAL. Und später wird heute noch der MDR bei ihm auflaufen. Eine Stadt und ihre Freiräume, Zeitz und seine Entdecker dieser Freiräume – offensichtlich interessant nicht nur für uns.

Ach, übrigens…

…falls Sie nach Ähnlichkeiten zwischen Benjamin Eckel und Reiner Eckel suchen: ja, die gibt es.

Im Denken über städtische Freiräume und ihre Chancen sind wir uns ziemlich ähnlich.
In der Beurteilung, was die Stadt Zeitz so sympathisch und liebenswert macht, stimmen wir auch weitestgehend überein.

Falls Sie nach Ähnlichkeiten suchen, die eine etwaige Verwandtschaft begründen könnten: nein, die gibt es nicht. Jedenfalls wissen wir nichts davon.
Der Nachname und diese Begegnung also reiner Zufall? Diese Begegnung ganz sicher nicht.

Text und Fotos: Reiner Eckel