Digitale Animateure und analoger Meinungstausch

Branchendialog „Pflege der Zukunft“
70 TeilnehmerInnen diskutieren digitale
Lösungen in der Pflege und Gesundheitsvorsorge.

Eine Beobachtung.

Auch ohne den Kohleausstieg strukturwandelt es allerorten. Kaum ein Bereich, ob im Job oder im Privaten, in dem die Digitalisierung nicht eingezogen wäre. Nicht einmal der Kaffee bleibt davon verschont, den ich mir vor der Konferenz genehmige. Frisch gebrüht am „Café Caracho“ läuft er zwar analog ins Glas, doch die bestellte Mischung ist vollends digital gesteuert. Nina Rüb übt sich gerade in der Programmierung der unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Der feine Geschmack ist allerdings vorzüglich programmiert. Also hinein ins Franziskanerkloster zum Branchendialog „Pflege der Zukunft“, zu dem das Zukunftszentrum und das Digitalisierungszentrum (DZZ) eingeladen hatten.

Als drinnen Martina Kuhaupt, die Leiterin der Digitalisierungszentrums, eröffnet haben etwa 70 Gäste im Franziskanerkloster Platz genommen. Dem Vernehmen nach sahen von „draußen“ im Livestream etwa 30 Menschen zu. Drinnen Bildschirme an Sitzecken, wo später in Workshops diskutiert wird, rundherum etliche Kameras. Eine solche Konferenz ohne Digitalisierung? Heute beinahe undenkbar. Gilt das nun auch für die Pflege und die Gesundheitsvorsorge? Ja und Nein. Das wurde nach dem Grußwort des OB Christian Thieme in der Podiumsdiskussion schnell klar.

Wenn in einem Podium jene, deren Forschungsaufgabe die Überführung digitaler Lösungen in die Praxis ist auf jene aus eben dieser Praxis treffen, sind Wiedersprüche programmiert. Genau deshalb ist das Aufeinandertreffen im Dialog gut und wichtig. Das wurde in diesem Branchendialog heute deutlich. Zumindest dem neutralen Beobachter. Es gab in den Workshops gute Angebote. Etwa welche digitalen Entwicklungen zur Unterstützung von Personalentwicklung und Weiterbildung gibt oder wie Patientenakten sicher digital verwaltet werden können. Umstrittenes wie das digitale E-Rezept war auch dabei. Dessen Einführung wurde erst jüngst erneut vertagt.

In Zeiten von Fachkräftemangel, überbordenden Nachweispflichten und immensem Zeitdruck sind digitale Lösungen in vielen Bereichen hilfreich. Wer wollte das bestreiten. Gleichwohl muss für manche Lösung gesunde Skepsis erlaubt sein. Dabei geht es oft um sehr Persönliches. Um Daten etwa oder um persönliche Nähe und menschliche Wärme, gerade in der Pflege. Das wurde auch heute diskutiert, sachlich, ehrlich und offen. Eine Pflegerin etwa, der die Nähe über alles geht und die sich einen noch so lieben Roboter Pepper mit dem Namen Thea als Animateur für die ihr Anvertrauten nicht vorstellen kann – „und wenn ihren Anvertrauten das mit dem Thea aber gefällt, sie sich gut dabei fühlen?“, frage ich. Dann sprechen wir noch lange über für und wider.
Es ist ja nichts Neues, dass neue Technologien und technische Innovationen für die breite praktische Anwendung ein Weilchen brauchen, manchmal Anpassungen an Bedarfe nötig sind. Darüber diskutieren lohnt allemal.

Der Branchendialog hielt in den Pausen und nach den Workshops gut besuchte weitere Angebote bereit. „Thea“ fand schon Erwähnung. Der Roboter ist eines der Exponate des Future Care Labs der Martin-Luther-Universität, das technischen Innovationen für die moderne Pflege der Zukunft präsentiert. Nebenan bot die AOK neben Informationen unterschiedliche Simulationsmodelle an, die altersbedingte Einschränkungen erlebbar machen.

Diese Angebote stehen BesucherInnen auch am Samstag, 2. Oktober von 10:00 Uhr bis 15:00 Uhr im Franziskanerkloster offen. Fachleute für Beratung und und zum Ausprobieren der Angebote sind vor Ort. Also, wenn Sie Zeit und Lust haben, sprechen Sie mit Pepper oder probieren einmal wie sie Seheinschränkungen tatsächlich anfühlen.

Der Branchendialog „Pflege der Zukunft“ – eine gute Veranstaltung.

Einige Impressionen vom Tag

Skip to content