Rahnestraße 6/7: Hier entsteht ein Zuhause für mehrere Generationen

Kaum eine Straße in Zeitz steht so sehr für den Verfall nach 1990 wie die Rahnestraße. Jetzt beginnt ein neues Kapitel: Die Stadt Zeitz hat einen Förderbescheid über rund 6,2 Millionen Euro aus Mitteln für den Strukturwandel erhalten. Damit werden die denkmalgeschützten Häuser Rahnestraße 6 und 7 saniert, erweitert und zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut. Umgesetzt wird das Vorhaben von der R&P Immobilien eGbR, an die die Stadt die Fördermittel weiterreicht.

Auf einen Blick

  • Ort: Rahnestraße 6/7, zwischen Nicolaiplatz und Roßmarkt
  • Förderung: rund 6,2 Mio. € von Bund und Land, Richtlinie „Sachsen-Anhalt Revier 2038“ im Rahmen des Investitionsgesetzes Kohleregionen (InvKG), über die Stadt Zeitz
  • Projekt: Rahnehöfe, umgesetzt von der R&P Immobilien eGbR
  • Geplante Nutzung: Mehrgenerationenhaus mit Wohnungen, Gemeinschaftsräumen und Hof
  • Baulich sichtbar: ab 2027
  • Fertigstellung: bis Ende 2029

Eine Straße mit großer Geschichte

Die Rahnestraße ist seit Jahrhunderten einer der wichtigsten Wege hinauf in die Zeitzer Oberstadt. Sie führt vom Nicolaiplatz zum Roßmarkt und verbindet die Altstadt mit Schloss Moritzburg. Hier gab es Handwerksbetriebe, eine Posthalterei, eine Privatbank und später das „Theater der Freundschaft“ in der Rahnestraße 11. Im Baenschhaus – Rahnestraße 16 – wurde Otto Baensch geboren, der den Nord-Ostsee-Kanal baute.

Auch die Rahnestraße 7 hat viele Kapitel erlebt: erst Bank, dann Polyklinik. Nach Jahren des Leerstands kommt nun etwas neues hinzu.

rahnestrasse zeitz
© Alexandra Staszewski / Projektbüro Stadt der Zukunft Zeitz
Rahnestrasse Zeitz Ansicht vom Eingang am Theater der Freundschaft 1955
© Relative of Cookroach / Cookroach, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Was in der Rahnestraße 6/7 entstehen soll

Hinter den historischen Fassaden liegen ruhige, grüne Höfe. Genau diese Mischung nutzt das Konzept: In den Häusern entstehen eigenständige Wohnungen für Menschen jeden Alters. Dazu kommen gemeinsame Räume und ein Hof, in dem sich Nachbarinnen und Nachbarn begegnen. Im Erdgeschoss sind flexible Flächen für Arbeit und Kultur vorgesehen.

Hinter dem Projekt stehen Oliver Reinsch und Nils Pollmann. Mit ihrer R&P Immobilien eGbR investieren sie gezielt in historische Gebäude in der Zeitzer Ober- und Innenstadt und verstehen sich als lokale Eigentümer mit Verantwortung vor Ort. Neben den Häusern 6 und 7 haben sie auch die Rahnestraße 8 erworben, der Kauf der Nummer 9 ist bereits beurkundet.

Was die Projektentwickler antreibt

„Wir möchten damit einen langfristigen Beitrag zur Entwicklung der Zeitzer Innenstadt leisten, historische Bausubstanz erhalten und gleichzeitig modernen, attraktiven Wohnraum schaffen. Mit dem Umbau zu einem Mehrgenerationenhaus schafft der Ort Möglichkeiten und Raum zur Begegnung und wird dadurch eine Art ‚Dorf in der Stadt‘.“ – Oliver Reinsch und Nils Pollmann, R&P Immobilien eGbR

Die Rahnehöfe

Wer die Entwicklung verfolgen möchte, findet auf der Projektwebsite der Rahnehöfe ein Bautagebuch, aktuelle Fotos und Kontaktmöglichkeiten.

Ein langer Weg bis zur Förderung

Dass in der Rahnestraße jetzt gebaut werden kann, ist das Ergebnis von vielen Jahren Arbeit. Schon 2021 war die Rahnestraße eines der ersten Vorhaben im Förderaufruf zur Altstadtsanierung im Burgenlandkreis, gedacht als Pilotprojekt. Doch der Weg zur Umsetzung erwies sich als deutlich länger und komplizierter als erhofft. Es brauchte viele Abstimmungen, neue Lösungsansätze und auch statische Fragen mussten geklärt werden. Ende 2025 stand das Vorhaben kurz vor dem Aus.

Dass es weiterging, ist auch Anke Wagener vom Projektbüro Stadt der Zukunft Zeitz zu verdanken. Sie hat Stadt, Land und Investoren immer wieder an einen Tisch gebracht, offene Fragen nachgehalten und das Vorhaben auch dann vorangetrieben, als es festzustecken drohte.

Der Weg der Rahnestraße zeigt, wie viel Ausdauer Denkmalprojekte brauchen und wie wichtig es ist, dass alle Beteiligten dranbleiben, wenn es schwierig wird.

Was das Mehrgenerationenhaus für die Altstadt bedeutet

Die Rahnestraße ist für viele Gäste der erste Eindruck von der Zeitzer Altstadt. Jedes sanierte Haus verändert dieses Bild. Das Mehrgenerationenhaus ist der Auftakt: Mit den Häusern 8 und 9 hat die Entwicklung der Straße schon jetzt weitere Gebäude erfasst, bevor überhaupt der erste Spatenstich erfolgt ist.

Dazu kommt eine größere Perspektive: Noch ist die Rahnestraße Teil der B 180. Das Stadtentwicklungskonzept ISEK Zeitz 2035 sieht vor, dass sie diese Funktion verliert. Dann gäbe es mehr Raum für Fußgängerinnen und Fußgänger, Radverkehr, Grün und Aufenthalt.

Das Projekt verbindet damit zwei Ziele des Strukturwandels in Zeitz: wertvolle Gebäude zu sichern und die Innenstadt als Ort zum Leben attraktiver zu machen.

Wir begleiten das Vorhaben und berichten, wie es in der Rahnestraße weitergeht.

Beitragsbild: Lars Werner / Stadt Zeitz

Mehr zur Förderung:

Meldung des Landesverwaltungsamts vom 19.10.2026

Pressemitteilung der Stadt Zeitz vom 20.10.2026

Übergabe des Fördermittelbescheids zur Sanierung des Kapitelschenke

Kapitelschenke am Brühl: Die Sanierung kann beginnen

Viele Zeitzerinnen und Zeitzer verbinden Erinnerungen mit der Kapitelschenke am Brühl. Seit Jahren stehen die Gebäude leer. Jetzt steht fest, dass sie wieder zum Leben erweckt werden. Anfang September übergab das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt einen Förderbescheid über 5,4 Millionen Euro an die Stadt Zeitz und die Eigentümer des Denkmalensembles Brühl 24 bis 27.

Auf einen Blick

  • Ort: Brühl 24–27, zwischen Schloss Moritzburg und Altstadt
  • Förderung: 5,4 Mio. € über das Investitionsgesetz Kohleregionen
  • Eigentümer: ZZ Wohnwert GbR
  • Geplante Nutzung: Übernachtung, Veranstaltungen, touristischer Anlaufpunkt
  • Nächster Schritt: Entrümpelung und Sicherung der Gebäude

Der Brühl: ein Ort, an dem Zeitz begonnen hat

Der Brühl gilt als ältester Siedlungsbereich der Stadt und wird oft als „Wiege von Zeitz“ bezeichnet. Hier lag im Mittelalter eine Kaufmannssiedlung, von der aus sich das städtische Leben entwickelte. Die Häuser Brühl 24 bis 27 rund um die ehemalige Kapitelschenke gehören zu den ältesten erhaltenen Denkmalensembles der Stadt. An ihnen lässt sich ablesen, wie Menschen hier über Jahrhunderte gewohnt und gearbeitet haben.

In den vergangenen Jahrzehnten haben Leerstand, Verfall und Abrisse im Quartier viel historische Substanz gekostet. Umso wichtiger sind die Gebäude, die geblieben sind. Sie sind Ankerpunkte für die Identität der Altstadt.

kapitelschenke vorderansicht
© Lars Werner / Stadt Zeitz
Kapitelschenke Rückseite
© Lars Werner / Stadt Zeitz

Was nach der Sanierung der Kapitelschenke entstehen soll

Frank Kuhnla und André Rölicke haben die Gebäude mit ihrer ZZ Wohnwert GbR über Jahre nach und nach erworben. Sie wollen das Ensemble samt Außenanlagen denkmalgerecht sanieren und touristisch nutzen, mit Übernachtungs- und Veranstaltungsmöglichkeiten in direkter Nachbarschaft zur Moritzburg.

Oberbürgermeister Christian Thieme sieht darin einen Anlaufpunkt, der in Zeitz bisher gefehlt hat. Er erwartet, dass die Sanierung das gesamte Quartier mitzieht. Das hat sich in der Altstadt bereits mehrfach gezeigt: Wo ein Haus wieder genutzt wird, folgen oft weitere.

Los geht es mit Entrümpelung und Sicherung der Gebäude. Ab dem kommenden Jahr soll die Sanierung auch von außen sichtbar werden, die Fertigstellung ist für 2029 geplant.

Warum die Sanierung so lange gedauert hat

Bereits 2022 wurden erste Fördermittel bewilligt, damals für die Planung. Es folgten mehrere Jahre mit Prüfungen und Abstimmungen zwischen Stadt, Land und Bund. Erst mit dem aktuellen Bescheid ist die Umsetzung des gesamten Vorhabens gesichert.

Ein so langer Vorlauf ist bei Denkmalsanierungen typisch. Bevor gebaut werden kann, müssen Bausubstanz und Kosten geprüft, Nutzungskonzepte abgestimmt und Förderbedingungen erfüllt werden.

Wie das Projektbüro unterstützt hat

Damit aus der Planung ein umsetzbares Vorhaben wird, braucht es viele Abstimmungen. Seit 2025 unterstützt Anke Wagener die Gespräche zwischen Land, Bund, Stadt und Eigentümern, damals noch als Quartiersmanagerin, heute im Projektbüro Stadt der Zukunft Zeitz.

„Der Brühl ist für mich als Zeitzerin mit vielen Erinnerungen verbunden. Er fühlt sich einfach heimelig an.“ — Anke Wagener, Projektbüro Stadt der Zukunft Zeitz

Wie viel der Ort auch anderen bedeutet, hat sie beim Tag des offenen Denkmals erlebt. Eine Bewohnerin des Brühls erzählte dort unter Tränen, wie sehr ihr der Verfall der vergangenen Jahre wehgetan hat und wie sehr sie sich über jedes sanierte Haus freut.

Was die Sanierung für die Altstadt bedeutet

Die Kapitelschenke ist eines von mehreren Vorhaben, mit denen historische Gebäude in der Zeitzer Altstadt gesichert und wieder genutzt werden. Jedes gerettete Haus stärkt das Quartier und macht die Innenstadt attraktiver, für Bewohnerinnen und Bewohner, für Gäste und für neue Nutzungen.

Damit zahlt das Projekt auf eines der Kernziele des Strukturwandels in Zeitz ein: wertvolle Flächen und Gebäude zu sichern, bevor sie verloren gehen, und sie langfristig wieder in Nutzung zu bringen.

Wir begleiten die Sanierung und berichten, wie es am Brühl weitergeht.


Zur Pressemitteilung der Stadt Zeitz vom 08.09.2026
Fotos: Lars Werner / Stadt Zeitz

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