Wie die „Bolzer Theißen“ den Sommer feiern. Und sich selbst
An einem riesigen Freisitz aus Europaletten stehen aufgereiht die Rennmaschinen, BMX-Räder. Nein, heute können mir die Jungs keinen wilden Ritt über den Bike-Parcours zeigen, heute stehen hier die Zelte im Weg. Heute wird hier gefeiert.
Aus den Boxen klopft rhythmisch Diskosound, Rauchschwaden hängen in der Luft, Jugendliche schleppen allerlei Kästen und Kisten heran, es beginnt nach Gegrilltem zu duften. „Möchten Sie was trinken? Dann bitte ich um eine Spende“, werde ich vom jugendlichen Barkeeper gefragt. Auf der Brust trägt er stolz das Logo, das für „Bolzer Theißen“ steht. Es ist Sommerfest auf dem Platz in Theißen, den sie Bolzplatz nennen, der aber inzwischen mehr ist als das. Ein Treffpunkt. Heute sogar ein Treffpunkt aller Generationen. Die „Bolzer“ haben eingeladen.
Und mittendrin Evelyn Dölz. Gerade stimmt sie mit den Jugendlichen die Ansage an die Gäste ab wegen der Preise. Man kann spenden oder den ausgewiesenen Preis bezahlen. Drei Taler würde mein Bier kosten. Angesichts dessen, was mit den Jugendlichen hier aus dem Boden gestampft wurde spende ich lieber. Vermutlich werden das die meisten tun. Sie bekämen viel Unterstützung und Anerkennung hier, wird sie mir später im Interview erzählen.
Noch sei ja alles rohbaumäßig bemerkt sie, als wir uns unweit von hier den Jugendclub ansehen hinter der frisch lackierten Tür, die natürlich das Bolzer-Logo ziert. Drinnen aufgereiht die ersten künstlerischen Arbeiten der Jugendlichen. Neben dem „Bolzen“ beim Renovieren und Bauen darf schließlich auch der Spaß nicht zu kurz kommen, findet Evelyn Dölz. Sie ist die Mitinitiatorin des Ganzen, hält gemeinsam mit Sebastian Riedel und Mandy Neidhardt die Fäden zusammen. Von hier kam auch der Anstoß für die Teilnahme am Wettbewerb REVIERPIONIER. Das Preisgeld sei eine riesige Unterstützung gewesen und hätte ihr Projekt ein großes Stück voran gebracht. Eine der Ideen hinter dem Projekt sei, den Jugendlichen neben einem Treffpunkt für ihre Freizeit auch etwas fürs Leben mitzugeben – die Fertigkeiten ausprägen und dabei den eigenen Neigungen auf die Spur kommen. Nicht nur „bolzen“ also, sondern dem jugendlichen Drang zum freien Spielen und Gestalten Raum geben, das ist den Protagonisten wichtig.
Später wird Evelyn Dölz noch Grund zur Freude haben. Die sie einlud kamen alle – der Oberbürgermeister, Gemeinderäte, Eltern. Manche, wie der Heimatverein, brachten noch Unterstützung in barer Münze mit und übergaben einen symbolischen Scheck. Gemeinschaft und Zusammenhalt ist den Initiatoren wichtig. Deshalb ist es als Gemeinschaftsprojekt der Ortschaften von Zeitz-Nord angelegt, so wird betont. Dazu gehören neben Theißen die Gemeinden Luckenau, Nonnewitz und Pirkau, allesamt Ortsteile von Zeitz im Norden der Stadt.
Nachgerade sinnbildlich ist eine kleine Szene an der Lümmelecke mit den Europaletten. Hier sitzen gleich mehrere Generationen beisammen und plaudern beim Naschen miteinander. Sie können eben nicht nur bolzen, die Revierpioniere, sie können auch fröhlich gemeinsam den Sommer feiern. Und sich selbst. Das haben sie sich auch redlich verdient.